10.06.2018, Herren Zwoa IV – Der Krampf der Jahrhunderts

Am Sonntag feierte auf der Hainstädter Freilichtbühne der neueste Herren Zwoa-Teil vor einem ausgewählten Publikum Weltpremiere. Der Untertitel des mittlerweile vierten Streifens aus der Reihe über das chaotische Tennisteam aus Altheim – „Der Krampf der Jahrhunderts“ – hätte eigentlich Vorwarnung genug sein müssen, dennoch hat sich unser Kritiker inkognito ebenfalls unter die vielen Ehrengäste gemischt.

Am Cast hat sich seit der ersten Episode („… und der Showdown in Hainstadt“) nicht viel verändert. Ausgestiegen aus dem Franchise ist inzwischen der heimliche Star der ersten drei Teile, Jan S. Angeblich waren die Gehaltsforderungen (u.a. Gewinnbeteiligung, Privatjet) des 2015 noch gänzlich unbekannten Zuschauermagneten für die Fortsetzung zu hoch. Dafür gibt es mitten im Streifen einen kurzen Cameo-Auftritt der ehemaligen Nr. 1, Marco Bechtold, zu bestaunen. Nach dem Flop vom Vorjahr ohne ihn eine nachvollziehbare sowie kühl kalkulierte Entscheidung der Produzenten und ein rares Highlight in einem ansonsten überraschungsarmen Aufguss.

Daran können auch die beiden neuen Protagonisten auf der Heldenseite wenig ändern. Trotz überzeugender tennisspielerischer Darstellungen lässt das Script Frank, der im Prinzip nur zwei Kurzauftritte hat, und Stephan, der lediglich am Ende vor den Credits als Sidekick von Patrick auftaucht, wenig Raum zum glänzen. Bei den Bösewichtern wurden die neu eingeführten, blassen Figuren aus dem Vorgänger gleich wieder rausgeschrieben. Dafür feiert Altstar Jürgen „The Kid“ nach kurzer Abstinenz in der letzten Folge sein Comeback. Mit einigen coolen Sprüchen kann er zumindest für etwas Humor sorgen.

Nun aber zunächst mal ein Blick auf den Plot. Wir erinnern uns zurück: Vor drei Jahren hatten die Herren Zwoa mit ihrer Low Budget-Indieactionkomödie dem Sportfilmgenre neues Leben eingehaucht. Die Underdogstory, bei der ein hochbegabter Coach aus einem am Boden liegenden Haufen voller Tennisanalphabeten einen Meisterschaftsanwärter formt, war zwar nicht sonderlich originell, aber unterhaltsam erzählt und mit sympathischen Figuren gezeichnet und folgerichtig ein Kassenschlager.

Die Vergeltungsstory aus der Fortsetzung von 2016 erzählte zwar trotz dieses Etiketts im Prinzip die gleiche Geschichte erneut, wenn man vom Ende absieht (Spoiler-Alarm: Dieses Mal wird der Meistertitel und Aufstieg letztendlich verpasst), hatte aber dennoch einige unterhaltsame Varianten auf Lager. Nachdem der dritte Teil („The Eye Of The Absteiger“) im vergangenen Jahr aufgrund des Plottwists zwar von den Kritik trotz des vorhersehbaren und konstruiert wirkenden Happy Ends hochgelobt wurde, aber bei den Kinogängern durchfiel, schien eigentlich das Ende der Reihe besiegelt.

Doch auch hier zeigt sich die momentane Einfallslosigkeit Hollywoods mit immer weiteren Fortsetzungen und Remakes. Statt die guten Ansätze des Vorgängers fortzuführen, versucht man das Erfolgsrezept der ersten beiden Teile zu recyclen. Wieder ist alles Friedefreudeeierkuchen im Herren Zwoa-Land und es geht einzig darum, ob man durch einen Sieg die Titelchancen wahren kann oder nicht. Das drohende Abstiegsszenario also längst vergessen. Letztlich fast nur alter Wein in neuen Schläuchen.

Das beginnt sogar schon bei der Ausstattung. Marcel darf ungeniert seinen neuen Ausstatter promoten. Product Placement der übelsten Sorte, für das Wilson sicherlich ordentlich Produktionshilfe geleistet haben dürfte. Sein 6:4, 6:3 sorgt auch gleich für die erste Erleichterung der angespannten Teeniefans. Die hatten in der Vorsaison noch erbost darauf reagiert, dass ihr Liebling Noel sein Einzel verlieren musste, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten.

Zwar gestalteten die Drehbuchautoren dessen ersten Satz dieses Mal immer noch spannend, aber zu einer ähnlich mutigen Entscheidung konnten sie sich dieses Mal nicht durchringen, im Gegenteil. Nachdem Noel den ganzen ersten Durchgang über knapp aber souverän vorne liegt, verpasst er es zwar noch, den Sack zuzumachen und landet im Tie-Break: Flashback auf das Osterburken-Auswärtsspiel vom letzten Juli, als Noel eine sichere Führung verspielte. Doch gerade als kurz Suspense auf der grünen Leinwand aufflackert, hat Noel den Tie-Break bereits mit 7:0 gewonnen. Anschließend folgt ein 6:1, gleichbedeutend mit seinem ersten Einzelerfolg bei den Herren Zwoa.

Während hier Jürgen „The Kid“ nicht an Glanzleistungen vergangener Tage anknüpfen kann, sorgt parallel ein anderer Bad Guy für ein ausnahmsweise originelleres Intermezzo. Hartmut „The Kid“ entzaubert Fandarling Fabian mit 6:1 und zwischenzeitlich 4:0. Der Verzweiflung nahe kann Nebendarstellerin Verena K. durch geschicktes Coaching ihren Schützling zurück in die Partie bringen. Durch eine chamäleonartige Anpassung an den Stil seines Gegenübers gelingt es Fabian zum 5:5 auszugleichen.

Doch just als er mit einer mehr auf Sicherheit bedachten Aktionsweise zurückzukommen schien, verfällt er wieder in alte Muster und muss schließlich dem Widersacher nach 5:7 gratulieren. Dennoch ein seltener Moment der Überraschung. Zur Strafe entwendet Verena dann Fabians Autoschlüssel, was im dankbaren Publikum für einige Lacher sorgt. Dann hat auch schon Frank seinen ersten Auftritt. Im Debütantenduell lässt der ehemalige Jugendkreismeister dem Hainstädter keine Chance. Zwei Mal 6:0 lautet der Endstand.

Ähnlich deutlich und mit der gewohnten Routine in seinem 100.Auftritt in einer Haupt- (Einzel) oder Nebenrolle (Doppel/Mixed) seit Datenerfassung 2011 lässt es auch André angehen: 6:1 und 6:0 lautet es im schwülen Rund trotz wolkenbehangenem Firmament. Selbst beim Ergebnisstellen rinnen die Schweißperlen, doch Oberschurke Uwe A. kann die Bedingungen nicht zu seinem Vorteil nutzen. Immerhin sorgt er für das Slapstickhighlight des Streifens, als er todesmutig eine angriffslustige Mücke in die Flucht schlagen kann: „Jetzt haben es auch noch die Mücken auf mich abgesehen!“

Umkämpfter ist da allerdings das Abschlusseinzel. Bei einem 4:1-Zwischenstand hat es Patrick, der sich als Einziger nicht im blau-schwarzen Superheldentrikot präsentiert, in der Hand bereits vor den Doppeln für Klarheit zu sorgen. Nach einem 6:3-Auftakt gerät er im zweiten Satz jedoch ins Schlingern. Doch unter anderem die ungewohnte Aufschlagsschwäche seines Gegners bringt ihn zurück in den Durchgang, den er schließlich sogar mit 7:5 für sich entscheiden kann. Da der Sieger bereits feststeht, lässt Captain Knell im Doppel Stephan in einer emotionalen Szene den Vortritt. Unverblümt zeigt sich hier, wie die Darstellerriege nach und nach verjüngt und dem Zielpublikum angepasst werden soll.

Im 3er-Doppel erlebt Fabian wenig überraschend seine Wiedergeburt und gemeinsam mit Frank ein klares 6:1, 6:0. Wenig klappt bei Noel und Marcel. 3:6 und 1:6 lautet es schließlich aus ihrer Sicht. Auch Patrick und Stephan harmonieren nicht wie gewohnt. Vielleicht noch etwas feiergeschädigt von den vielen Auftritten auf dem roten Teppich des Vortags erlaubt sich Nachwuchshoffnung Stephan zu viele Fauxpas. Dennoch blitzt auch immer sein Talent durch, so dass es nicht überrascht, dass er bereits für die nächsten Teile unterschrieben haben soll.

Während dem Abspann folgt dann noch Patricks obligatorische Heißhungerattacke, bei der sich Fabian dankenswerterweise vornehm zurückhält, damit der Jüngste der Truppe nicht vom Fleisch fällt. Ein Running Gag, der sich leider wie das gesamte Format bereits deutlich abgenutzt hat. Bleibt zu hoffen, dass von weiteren Fortsetzungen des Mammutstreifens (im Special Extended Director's Cut über 6 Stunden lang) abgesehen wird. Am Ende also 6:3 zum dritten Mal in Folge, wie langweilig, gähn.

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Donnerstag, 01.10.20

18:00 Uhr: Doppelabend


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